FORUM Demenz – ein Netzwerk- und Kooperationsprojekt

Von der Vernunftbeziehung zur Zugewinngemeinschaft

Es war keine Liebesheirat, eher eine auf Vernunft gründende Beziehung - schnell wurde sie aber eindeutig zur Zugewinngemeinschaft. Die Stiftung Wohlfahrtspflege machte aus getrennten Förderanträgen der AWO-Duisburg, der PariSozial Duisburg und des Evangelischen Christophoruswerkes ein gemeinsames Projekt. Aus dem Zusammenschluss entwickelte sich das FORUM Demenz, ein erfolgreiches Netzwerk- und Kooperationsprojekt in Duisburg.

Die Vorgeschichte

Schon drei Jahre vor Projektbeginn existierten die ersten Betreuungsgruppen (auch Betreuungscafés genannt) in Duisburg, die sich zu einem Netzwerk (B-Netz) zusammengeschlossen hatten. Die Alzheimer Gesellschaft Duisburg gründete sich bereits im April 2002. Vortragsreihen zum Thema Demenz wurden im Zusammenwirken mit der Gesundheits- und Pflegekonferenz erfolgreich für die Öffentlichkeit durchgeführt, d.h. in Duisburg existierte bereits ein Netz engagierter Menschen und Einrichtungen zum Thema Demenz.

Die drei Duisburger Organisationen trafen sich mit ihren Projektanträgen bei der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW. Jeder für sich hatte ein Konzept zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen entwickelt. Man kannte sich zwar, wusste aber nichts vom Ansinnen des jeweils anderen.

Die Stiftung Wohlfahrtspflege mit ihrem Programm: “Verbesserung der Betreuung und Begleitung demenziell erkrankter alter Menschen“ entschied: Duisburg wird Modellregion. Dies war der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit und die Geburtsstunde des FORUM Demenz.

 

1. Die Rahmenbedingungen

Die Gründung des FORUM Demenz war geprägt von einem übergeordneten Prinzip: Vernetzung!

Vernetzung entsteht aus Beziehungen zwischen Akteuren, die nicht in einer Institution arbeiten. Ziel der Vernetzung ist die Entstehung von Kooperationen, die einem gemeinsamen Sache dienen.

Um eine geeignete Unterstützung für an Demenz Erkrankte und ihrer Angehörigen zu initiieren und um diese Hilfe über den Projektzeitraum von drei Jahren hinaus mit Nachhaltigkeit zu versehen, war Vernetzung unbedingt notwendig. In Zeiten leerer Kassen werden Netzwerke, insbesondere in der Sozialen Arbeit, immer bedeutungsvoller. Sie ermöglichen Ressourcen schonende Synergieeffekte.

Im FORUM Demenz konnten wir an diesem Punkt viele Erfahrungen sammeln.

Allgemeine Grundprinzipien von Netzwerken:

  • Erschließung und Nutzbarmachung endogener Potentiale
  • Vernetzung von Akteuren
  • Mobilisierung materieller und immaterieller Ressourcen
  • Entscheidungsfindung durch Dialog und Aushandlung (ergebnisoffen)
  • Steuerungsform: Selbstorganisation und institutionell regulierte Strukturen

Art und Qualität der Zusammenarbeit

Die Art und Qualität der Zusammenarbeit ist für ein gelingendes Netzwerk maßgeblich. Die gemeinsame Zielverpflichtung jedes Beteiligten im Duisburger Netzwerk Demenz muss lauten: „Handlungsfähigkeit für das Thema Demenz“!

Dies jedoch erforderte von allen ein hohes Maß an Sensibilität im Umgang miteinander. Ein Netzwerk wird nur dann über längere Zeit existieren können, wenn es sich um eine so genannte „win - win“ Situation für alle handelt. Jede Institution sollte die Chance haben, von der Kooperation zu profitieren. Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: ein vergessenes Logo einer Institution am Infostand ergibt sehr schnell eine Schieflage im Miteinander. Das Gefühl übergangen oder vergessen zu werden erzeugt Misstrauen.

Daher waren:

  • Transparenz in der Zielsetzung und Durchführung gemeinsamer Aktionen,
  • Weitergabe von sachlichen Informationen,
  • Anerkennung der vereinbarten Geschäftsordnung: wer führt das Protokoll, wer erledigt bestimmte Aufgaben, wer moderiert etc.?

absolut notwendige Voraussetzungen für das Gelingen eines Netzwerkes.

Das Netzwerk wird von Menschen gestaltet und geformt. So gilt es auch im Netzwerk die Standards der Kommunikation zu wahren, die lauten: Wertschätzung, Achtung, Akzeptanz und Kommunikationsbereitschaft im Umgang miteinander. Im Konfliktfall bedarf es auf allen Ebenen im Netzwerk und bei den unterschiedlichen Kooperationspartnern klärender und vermittelnder Gespräche.

Die Duisburger Kooperationspartner haben sich diese Voraussetzungen erarbeitet. Trägerspezifische und persönliche Konkurrenzen stehen hinter dem gemeinsamen Ziel, der Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen, zurück.

Das Duisburger Netzwerk Demenz entwickelte sich zu einem tragfähigen System durch:

  • die Entlastung der handelnden Personen,
  • Kompetenzaustausch,
  • Kompetenzerweiterung,
  • Gewinnung weiterer Partner,
  • Nutzung von Synergieeffekten.

Am Beispiel der Schulungen für Ehrenamtliche im Häuslichen Unterstützungsdienst lässt sich hier in Verbindung mit den Runden Tischen Demenz stadtteilbezogen (siehe Seite 13ff) ein erfolgreicher Weg aufzeigen: Mit einem einheitlichen Schulungskonzept, der gemeinsamen Durchführung der Weiterbildung, einer gebündelten Öffentlichkeitsarbeit und der umfassenden Verantwortlichkeit für das Thema Demenz wird eine große Angebotsvielfalt möglich:

  • Informationsveranstaltungen,
  • Häusliche Unterstützungsdienste,
  • Betreuungsgruppen,
  • Demenzgottesdienste,
  • Angehörigengruppen,
  • Alzheimer Tanzcafés.

Im Netzwerk entstehen Projekte, die den einzelnen Träger nicht überfordern, aber dem Bürger in Form einer breiten Angebotspalette zu Gute kommen. Ein weiterer Bonus: Kooperation und Vernetzung ermöglichen einen fachlichen Austausch, der zu mehr Qualität führt.

Die Struktur unseres Netzwerkes setzte Knotenpunkte und Verknüpfungsstränge in unterschiedlichste Richtungen und auf verschiedenen Ebenen. Heute gibt es in Duisburg folgende Vernetzungslinien:

  • die drei das Projekt tragenden Organisationen,
  • Strukturen innerhalb der Organisationen,
  • die freiwillige und die hauptamtliche Ebene,
  • Partner über den Projektraum Duisburg hinaus,
  • Organisationen, die im Rahmen der Teilziele tätig sind.

Damit sich die drei Partner zu einem Projekt zusammenfinden konnten, genügte es nicht, die bereits ausgebildeten Projekte und Kompetenzen zusammen zu fassen. Es war notwendig, eine Struktur zu entwickeln, in der jeweils eigenständig gearbeitet wird und zugleich der Gesamtzusammenhang im Blickfeld bleibt.

Ordnungsprinzipien des Netzwerkes Demenz in Duisburg

Zielorientierung
Die Verbesserung der Begleitung und Betreuung von demenziell erkrankten Menschen in Duisburg.

Zeitkorridor
Die Verbesserung der Situation soll unter Berücksichtigung bereits vorhandener Potentiale innerhalb des Förderzeitraums auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein.

Eigenständigkeit im Verbund
Die Projekt- und Kooperationspartner bringen sich als eigenständige Einrichtung in das System ein, behalten ihre Identität und sichern zugleich einen Austausch im Sinne der gewählten Ziele.

Gleichzeitig galt es, bereits Etabliertes oder noch zu Errichtendes als „tragende Seile“ ins Netz strategisch einzuarbeiten.

Ein Beispiel: Die bereits bestehende und zeitlich unbefristet agierende Alzheimer Gesellschaft Duisburg mit einer starken ehrenamtlichen Struktur stellte sich in Beziehung zu dem von Hauptamtlichen gesteuerten – zeitlich auf drei Jahren befristeten - FORUM Demenz. In dieses Beziehungsgeflecht galt es, die Umsetzung der Ziele arbeitsteilig zu integrieren.

 

2. Inhalte der Arbeit

2.1 Formulierung der Ziele und Aufgaben

Die im Auftrag der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW formulierte “Verbesserung der Betreuung und Begleitung demenziell erkrankter alter Menschen“ sollte durch das Erreichen folgender Ziele umgesetzt werden:

  • Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit,
  • Beratung und Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen,
  • Entlastung der pflegenden und betreuenden Angehörigen,
  • Gewinnung von Freiwilligen,
  • Vernetzung der an der Versorgung und Betreuung von Demenzkranken beteiligten Institutionen und Dienste,
  • Beratung und Weiterbildung in Institutionen.

2.2 Die Verteilung der Aufgaben im FORUM Demenz

Zur einheitlichen Außenwahrnehmung und zur eigenen Identifikation entschieden die Projektpartner unter dem Namen FORUM Demenz zu arbeiten. Unter Leitung einer Moderatorin entwickelten die Mitarbeiter folgendes Schnittstellenmodell:

Schnittstellenmodell Forum Demenz
Projektauftrag der AWO-Duisburg:

  • Information und Beratung für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen
  • Beratung/Schulung von Trägern und Institutionen

Projektauftrag Evgl. Christophoruswerk:

  • Überregionale Vernetzungs- und Weiterbildungs­arbeit zum Aufbau der niedrigschwelligen Angebote

Projektauftrag PariSozial gGmbH:

  • Projekt Erfahrungswissen

Projektauftrag Evgl. Christophoruswerk und PariSozial gGmbH:

  • Aufbau des Häuslichen Unterstützungsdienstes

Das bedeutete für den weiteren Projektverlauf:

Das FORUM Demenz orientierte sich an den gemeinsamen inhaltlichen Zielen. Jedes Teilprojekt war auf Grundlage der gemeinsamen Ziele in den eigenen Projektentscheidungen autonom. Bei Schnittstellen wurden gemeinsame handlungsorientierte Ergebnisse erzielt. Zum Beispiel einigte man sich für den häuslichen Unterstützungsdienst auf eine Aufwandsentschädigung für die Freiwilligen von 10,-€ pro Einsatz . Die Öffentlichkeitsarbeit wurde miteinander abgestimmt und anteilig finanziert.

Strukturell existierten im FORUM Demenz 3 Ebenen:

Das Projektteam
Das bindende Organ der Mitarbeiter war die Teambesprechung zur gegenseitigen Information, Konzeptbesprechung und gemeinsamen inhaltlichen Planung. An dieser Teamsitzung beteiligte sich jeweils ein Mitglied des Vorstandes der Alzheimer Gesellschaft Duisburg, um ein gemeinsames Vorgehen und gleichzeitig nachhaltige Strukturen zum Thema Demenz sicherzustellen.

Die Projektleitersitzung
Jede Organisation hatte eine eigene Projektleitung. In der Projektleitersitzung fand insbesondere die organisatorische Abstimmung gemeinsamer Aktivitäten statt.

Der Steuerkreis
In diesem Gremium entschieden die Geschäftsführer der drei beteiligten Organisationen sowohl wichtige projektbezogene und kontrovers diskutierte Fragestellungen.

 

3. Die Umsetzung der Ziele

Die aufgezeigte Netzstruktur schuf den Rahmen für die Arbeit des FORUM Demenz. Die Umsetzung der Ziele in der Praxis spiegelte diese Netzwerkstruktur ebenfalls: Die einzelnen Aufgaben und ihre Verwirklichung spielten ineinander. Dies bedeutete auch, dass sich Netzwerkarbeit sowohl in einer Aufgabenverteilung als auch im gemeinsamen Herangehen an einzelne Tätigkeiten realisierte.

3.1 Öffentlichkeitsarbeit

Öffentlichkeitsarbeit ist vor allem von Bedeutung, da sie zur Enttabuisierung des Themas Demenz beiträgt.

Demenz ist im systemischen Sinn eine Erkrankung der gesamten Familie, mit hochgradigen Belastungen für alle Beteiligten. Die häufigen familiären Verstrickungen und Schuldgefühle führen insgesamt dazu, dass es vielen schwer fällt, zur Erkrankung und deren Auswirkungen zu stehen. Angehörige und Betroffene verschweigen daher oft die Erkrankung und auch die daraus resultierenden Gefühle und Belastungen.

Wichtig ist es, die Probleme der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen der breiten Öffentlichkeit transparent zu machen. So wird Verständnis und Anteilnahme möglich. Nur mit Hilfe breit gestreuter Information und zunehmender Sensibilisierung kann das Thema Demenz aus dem Schatten der Nichtbeachtung heraustreten. Eine sensible Öffentlichkeitsarbeit macht den Betroffenen und ihren Angehörigen Mut, Unterstützung zu suchen.

Weitere Effekte: Öffentlichkeitsarbeit ist notwendige Voraussetzung für die Gewinnung von Freiwilligen für die Unterstützungsangebote.

Sie bietet darüber hinaus eine Möglichkeit, mit anderen Organisationen in Kontakt zu treten:

Informationsveranstaltungen in den Bezirksämtern, allgemeine Vorträge zum Thema in Beratung- und Begegnungszentren und anderen Senioren-einrichtungen, die in Kooperation mit sieben verschiedenen Trägern durchgeführte Fachtagung und die in gleicher Konstellation durchgeführte Veranstaltungsreihe „Kulturtage Demenz“ beschreiben gute Beispiele der vernetzten Arbeit in diesem Bereich.

Auch die zweite Fachtagung „Netze knüpfen – für ein Leben mit Demenz“ war ein weiteres Beispiel für gelungene Kooperation und Öffentlichkeitsarbeit. Das in Duisburg entstandene Netzwerk wurde so auch für auswärtige Teilnehmer gut nachvollziehbar.

Unser Fazit
Eine gebündelte Öffentlichkeitsarbeit schuf eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der Projektziele. Sie vernetzt zu praktizieren, erhöhte die Aussicht auf eine wahrnehmbare und wirksame Präsenz in der Stadt und das Erreichen aller relevanten Zielgruppen. Sie halft die Ansprechpartner und Multiplikatoren der einzelnen Träger zum Thema Demenz zu gewinnen.

3.2 Beratung, Begleitung und Entlastung

In der Grundvereinbarung des FORUM Demenz waren die Beratung und Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen und die Entlastung der betreuenden Angehörigen als zwei Ziele formuliert. Sie waren jedoch nicht voneinander zu trennen und sollen deshalb hier in einem Abschnitt dargestellt werden. Ausgangspunkt ist dabei die bereits beschriebene Tabuisierung des Themas Demenz in der Öffentlichkeit.

Belastende Betreuungs- und Pflegesituation
Die schwierige Situation, in der Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen stehen, erklärt, warum einfache Konzepte der Information und Beratung nicht ausreichend greifen. Auch noch so gute niedrigschwellige Angebote für Menschen mit Demenz, die pflegenden Angehörigen Zeiten der Entlastung bringen würden, werden oft nicht in dem zu erwartenden Maße genutzt.

Es ist häufig schwierig, pflegende Angehörige von der Nutzung der Hilfs- und Entlastungsangebote zu überzeugen. Sie müssen zunächst erkennen, dass die eigene Entlastung wichtig, ja sogar notwendig ist.

Die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz bringt oft erhebliche Einschränkungen und Belastungen mit sich, die vielfach über die eigenen körperlichen und seelischen Grenzen hinaus gehen. Die Aufgabe nimmt die Pflegenden oft rund um die Uhr in Anspruch. Sie ist oftmals von heftigen Gefühlen der Ratlosigkeit, des Versagens, der Enttäuschung, des Alleingelassenseins, aber auch der Trauer und des Ärgers begleitet.

Beratungsansatz
Das FORUM Demenz wollte die Angehörigen stärken, so dass sie Hilfen annehmen können.

Ohne ausführliche Beratung und eine in der Regel längerfristige Begleitung kann dies nicht gelingen.

Die Aufgabe der Information, Beratung und Begleitung wurde innerhalb des FORUM Demenz durch die zentrale Fachberatungsstelle der AWO- Duisburg geleistet. Hier standen ausgebildete Beraterinnen allen Betroffenen mit ihren Fragen und Problemen zur Seite. Egal, ob es um kurze Sachfragen, Fragen der Diagnostik und Behandlung, Schwierigkeiten bei der Bewilligung einer Pflegestufe oder um umfassende Probleme bei der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz geht, die zentrale Fachberatungsstelle eröffnete den Weg ins Hilfsnetz.

Methodisch hatte die Beratungsstelle des FORUM Demenz von Beginn an den Ansatz der „Beratung und Begleitung“ von Demenzkranken und deren pflegenden Angehörigen gewählt. Eine Kombination aus Case Management und psychosozialer Beratung schuf maßgeschneiderte Hilfskonzepte. Entlastungsgespräche, Beratung, Informationen über die Krankheit und den richtigen Umgang mit ihr ergänzten sich dabei. Hausbesuche waren ebenso möglich wie der Termin in der Beratungsstelle. Im Hilfeplan wurde aus den zur Verfügung stehenden Angeboten aller Träger ein individuelles Hilfekonzept erstellt, ein eigenes Hilfenetz für die Familie entstand.

Die Berater verstanden sich als Lotsen im Hilfsnetz. Sie zeigten auf, welche Möglichkeiten der Versorgung und Entlastung, einschließlich der Finanzierungsmöglichkeiten, in Anspruch genommen werden können. Umfassende Kenntnisse des Angebotsspektrums waren dabei eine selbstverständliche, unabdingbare Voraussetzung.

Der dargestellte Beratungsansatz implizierte auch das Prinzip der nachfragenden, nachgehenden Begleitung: Die Berater nahmen regelmäßig Kontakt auf, um nachzuhalten, ob die geplanten Maßnahmen angenommen wurden und die Situation sich verbesserte.

Damit sich die Angehörigen und die Demenzkranken nicht überfordert fühlten, konnten die Hilfsangebote in der Regel nur langsam nach und nach initiiert werden. Die oft übermäßige Belastungssituation machte dieses „Step by Step“ notwendig. Es standen individuell unterschiedlich nur noch begrenzte Kräfte für Veränderungen zur Verfügung.

Exkurs: Vernetzung als Voraussetzung für diesen Beratungsansatz
Lotse im Hilfsnetz kann ein Berater nur sein, wenn es ein Netz von Hilfs- und Unterstützungsangeboten in der näheren Umgebung gibt, mit dem er eng zusammenarbeitet. Diese Kooperation muss ständig gepflegt werden. Es war dem Modell Duisburg von Anfang an wichtig, dass der gegenseitige Nutzen – das Geben und Nehmen für alle Kooperationspartner - möglichst klar zum Vorschein kommt. Dazu gehört für eine zentrale Beratungsstelle zunächst einmal die Trägerneutralität in der Beratung und der Vermittlung von Angeboten.

Ist dies sicher gestellt, gelingt leichter ein fachlicher, teils fallbezogener Austausch unter Anerkennung der spezifischen Angebotsleistung des jeweils anderen. Durch das Wissen um Angebotslücken und die Möglichkeiten des einzelnen Trägers, gewinnt das Bestreben diese zu schließen, an Qualität und Dynamik.

Ganz wichtig war es deshalb der Beratungsstelle des FORUM Demenz, bei den bestehenden Runden Tischen Demenz in den Stadtteilen mit zuarbeiten. Die Angebote vor Ort zu kennen und nach Möglichkeit persönliche Kontakte dorthin zu unterhalten ist für einen Lotsen unabdingbar. Der persönliche Bekanntheitsgrad erleichtert zugleich den umgekehrten Weg: die Vermittlung Betroffener in die Beratungsstelle.

Für eine gute Zusammenarbeit reicht die alleinige Kenntnis der Angebote nicht aus. Die Partner benötigen in gleichem Maße gute Kontakte und die gegenseitige Anerkennung der geleisteten Arbeit. Ebenfalls unabdingbar erscheint das Vertrauen in die Person und die Einrichtung des jeweils anderen.

Die Verbindung eines zentralen Beratungsangebotes mit dezentralen Beratungs-, Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen hat sich aus Sicht des Duisburger Modells bewährt. Es gelingt nicht, in jedem Stadtteil eine Fachberatungsstelle für Demenz vorzuhalten. Was aber möglich ist: Es kann in jedem Stadtteil Menschen geben, die um die Angebote wissen und die Beraterinnen einschalten.

3.3 Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiter

Um diese Verbindung von zentralen und dezentralen Angeboten auszubauen, gab es direkt nach Einrichtung der Beratungsstelle ein Schulungsangebot für die Mitarbeiter der Duisburger Begegnungs- und Beratungszentren. Hier ging es um die seitens der Stadt geforderte Beratung in den einzelnen Einrichtungen und die Formen der Zusammenarbeit mit der Demenzfach-beratung.

Darüber hinaus bot die Fachberatung der AWO-Duisburg im FORUM Demenz allen ambulanten Duisburger Pflegediensten und Senioreneinrichtungen hausinterne Schulungen zum Thema: „Brückenbauen - Hilfen zur Kommunikation und zum Umgang mit Demenzkranken“ an. Diese Schulungen hauptberuflicher Mitarbeiter steigern die Kompetenz des Einzelnen im Umgang mit Menschen mit Demenz. Die Weiterbildungen fördert zudem die gegenseitige Akzeptanz und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei jedem einzelnen Mitarbeiter.

Des Weiteren haben wir zusammen mit dem BIG - Bildungsinstitut im Gesundheitswesen gGmbH aus Essen - eine Weiterbildung zum Demenz-experten entwickelt. Hier wird pro Pflegeteam einer stationären oder ambulanten Einrichtung eine MitarbeiterIn weiterqualifiziert, der /die daran anschließend im Team eine kollegiale Fachberaterrolle übernimmt. Um eine Anerkennung des Abschlusses durch die Uni Bielefeld wird sich das BIG Institut bemühen.

3.4 Beispielhaft: Initiatorenschulung

Schon vor dem PflegeleistungsErgänzungsgesetz sammelte das Evgl. Christophoruswerk in Duisburg Erfahrungen in der Unterstützung pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz. Drei Betreuungsgruppen, in Duisburg „Betreuungscafés“ genannt, wurden ab dem Jahr 2000 / 2001 eröffnet. Aus den Erkenntnissen dieser Arbeit entstand die Weiterbildungsmaßnahme „Initiatorenschulung“.

Die Idee: Hauptamtliche Mitarbeiter der Altenhilfe (Initiatoren) entwickeln für ihre Träger im Zusammenwirken mit Freiwilligen Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige.

Diejenigen Mitarbeiter, die ein solches Angebot initiieren, benötigen ein hohes Maß an Kompetenz. Nur so kann es gelingen, Freiwillige zu gewinnen und zu schulen. Ohne den Einsatz freiwilliger Mitarbeiter, ohne eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und ohne Beratung der pflegenden Angehörigen ist der Aufbau eines niedrigschwelligen Angebotes unmöglich.

Innerhalb von elf Schulungstagen erhalten hauptamtliche Kräfte die Qualifikation, ein eigenes Unterstützungsangebot aufzubauen.

In fünf Modulen setzen sich die MitarbeiterInnen mit folgenden Themen auseinander:

  • Gewinnung und Schulung von freiwilligen Mitarbeitern
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Integrative Validation
  • Gestaltungshilfen für demenziell Erkrankte
  • Dokumentation und Finanzierung niedrigschwelliger Angebote

Zur Schulung gehörte die praktische Umsetzung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten während der Ausbildung ihr niedrigschwelliges Angebot vor Ort.

Das Thema „Vernetzung der Angebote“ spielte während der Initiatorenschulung durchgängig eine zentrale Rolle. Während der Projektzeit sind zwei Initiatorenschulungen mit insgesamt 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt worden. Neun Betreuungscafés und sechs Häusliche Unterstützungsdienste sind in diesem Rahmen entstanden; dreizehn Betreuungscafés und zwei Häusliche Unterstützungsdienste befinden sich noch im Aufbau.

3.5 Vernetzung der beteiligten Institutionen für eine bessere Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenz

Wie bei der Beschreibung der Angebotsstruktur des FORUM Demenz für Betroffene und Angehörige können die folgenden zwei Ziele nicht unabhängig voneinander betrachtet werden:

  • Entlastung der pflegenden und betreuenden Angehörigen,
  • Vernetzung der an der Versorgung und Betreuung von Menschen mit Demenz beteiligten Institutionen und Dienste.

Bereits erkennbar wurde, dass sich das Duisburger Modell in vorhandene Strukturen integrierte und es sich zur Aufgabe machte, diese durch die Nutzung von Synergieeffekten wirkungsvoller zu machen.

Zugleich galt es, die Strukturen so auszubauen, dass das Engagement für das Thema Demenz auch nach Abschluss des Projekts nachhaltig wirksam bleibt.

In der Logik des bereits Dargestellten ergab sich daraus:
Öffentlichkeitsarbeit erleichterte den Betroffenen die Kontaktaufnahme mit den Beratungsstellen. Das Beratungssystem des FORUM Demenz wies den Weg zu den vorhandenen Angeboten. Diese galt es miteinander zu vernetzen, um beispielsweise Schulung und Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam zu organisieren und zu verbessern. Dabei arbeitete das Duisburger Modell mit Einrichtungen zusammen, die auf ehrenamtlicher Basis tätig sind und zeitlich unbefristet agieren.

Im Folgenden sollen einige dieser Kooperationsprojekte im Netzwerk detaillierter dargestellt werden:

Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Duisburg
Das FORUM Demenz hat von Beginn an eine enge Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Duisburg gesucht. Dies war unter der Prämisse der Nachhaltigkeit des Modellprojektes unabdingbar. In der Findungsphase zeigte sich, dass zwei unterschiedliche Organisationsformen aufeinander stießen: Einerseits ein Modellprojekt mit hauptamtlichen Mitarbeitern und einem expliziten Arbeitsauftrag für drei Jahre, andererseits die ehrenamtliche Selbsthilfestruktur der Alzheimer Gesellschaft. Die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter der Alzheimer Gesellschaft hatten die Sorge, von den Mitarbeitern des FORUM Demenz übergangen zu werden. Die hauptberuflichen Mitarbeiter andererseits standen gerade zu Anfang unter einem Erwartungsdruck, Angebote und Ergebnisse zu präsentieren. So entstand bei der Selbsthilfeorganisation der Eindruck, vereinnahmt zu werden.

Die eigene Position zu stärken und sein eigenes Profil in der Öffentlichkeit zu schärfen half beiden Kooperationspartnern. Nur mit einem hohen Maß an Offenheit, Engagement und Wertschätzung konnte diese Konstellation gelingen.

Die räumliche Zusammenarbeit zwischen der Beratungsstelle des FORUM Demenz und der Geschäftsstelle der Alzheimer Gesellschaft Duisburg in einem Seniorenzentrum war für alle Seiten von Anfang an von großen Nutzen. Die ehrenamtlich ausgerichtete Organisation wurde durch die professionelle Beratung bekannt, erhielt Mitglieder und ihre Angebote wurden umfangreich genutzt. Die Beratungsstelle des FORUM Demenz wurde andererseits den Mitgliedern und Nachfragern der Alzheimer Gesellschaft Duisburg empfohlen.

Im Bereich der Schulungen im häuslichen Unterstützungsdienst und dem weitergehenden Einsatz der freiwilligen Mitarbeiter war die Alzheimer Gesellschaft ein wichtiger Partner, insbesondere mit Blick auf die Übernahme eines Teils des häuslichen Unterstützungsdienstes nach Beendigung der Projektlaufzeit.

Bei öffentlichkeitswirksamen Aktionen galt die Regel: Beide Organisationen stellen sich gemeinsam vor. Zur Gewährleistung eines geregelten Informationsaustausches nahm immer ein Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft an den Teamgesprächen des FORUM Demenz teil.

Die Kooperation der Alzheimer Gesellschaft Duisburg mit dem FORUM Demenz verband zum Ende des Projektes eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Beide nutzten die Vorteile der Zusammenarbeit und schätzten den daraus resultierenden Gewinn für die gemeinsame Sache.

3.6 Häuslicher Unterstützungsdienst

Die Aufgabe des Häuslichen Unterstützungsdienstes ist es, mit freiwilligen Mitarbeitern Menschen mit Demenz in der häuslichen Umgebung zu besuchen und zu betreuen. Damit wird ein Beitrag im Hilfesystem geleistet, die Angehörigen bei der Betreuung zu unterstützen.

Die Freiwilligen wurden durch eine intensive Schulung (ca. 33 Unterrichtsstunden) auf ihre Aufgabe vorbereitet. Kontinuierliche Fortbildungen und Austauschtreffen waren Bestandteil der weiteren regelmäßigen Begleitung der Freiwilligen durch Fachpersonal des FORUM Demenz.

Damit die aufgebauten Strukturen des Häuslichen Unterstützungsdienstes und die Begleitung der Freiwilligen über die Modellprojektzeit hinaus gewährleistet sind, hat das Duisburger Modell von Anfang an darauf gesetzt, weitere Partner beim Aufbau und bei der Durchführung einzubinden.

Wie der Häusliche Unterstützungsdienst in der Praxis funktioniert wird in einem gesonderten Berichtsteil (siehe Kooperationsprojekt Häuslicher Unterstützungsdienst) vorgestellt. Die PariSozial und das Evgl. Christophoruswerk schildern neben dem hier genannten Vernetzungsansatz weitere wesentliche Voraussetzungen, damit der Besuchsdienst in einer Kommune von ca. 500.000 Einwohnern stadtweit aktiv sein kann.

3.7 Runde Tische Demenz

Gründung der Runden Tische Demenz
Schon während der Aufbauphase des Häuslichen Unterstützungsdienstes von Oktober 2003 bis Juli 2004 wurden Kontakte zu Trägern der Altenhilfe in verschiedenen Stadtteilen aufgenommen. Die Fragen waren zunächst: Wie kann der Häusliche Unterstützungsdienst in den Stadtteilen Walsum oder Rheinhausen integriert werden? Wer kommt als Kooperationspartner in Frage? Wie können die Aufgaben bei der Organisation und Durchführung des Häuslichen Unterstützungsdienstes verteilt werden?

Schnell machten die Vorgespräche deutlich, dass viele Einrichtungen und Träger der Altenhilfe am Thema Demenz interessiert sind und die Integration des Häuslichen Unterstützungsdienstes eher einen Teilaspekt darstellte. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Alzheimer Gesellschaft Duisburg wurden daher alle Einrichtungen der Altenhilfe in den Stadtteilen Walsum, Homberg, Rheinhausen, Hamborn-Meiderich sowie Duisburg-Süd zu den Runden Tischen Demenz eingeladen.

In den Verteilern sind Ärzte und Fachärzte, kommunale, verbandliche, kirchliche und private Einrichtungen, Ambulante Pflegedienste, Senioren-Begegnungs- und Beratungszentren (BBZ), weitere Beratungsstellen, Krankenkassen, Organisationen für Migration sowie stationäre Seniorenzentren aufgenommen worden.

Ziele und Aufgaben der Runden Tische Demenz
Im Laufe der Projektzeit kristallisierten sich folgende Ziele und Aufgaben heraus:

  • Entwicklung von wohnortnahen, differenzierten Unterstützungsangeboten für Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Stadtteilbezogene Informationsveranstaltungen
  • Veröffentlichung von Informationsbroschüren
  • Nutzung von Ressourcen zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen: z.B. durch gemeinsame Schulung der Freiwilligen
  • Entwicklung von kurzen Wegen durch Netzwerkarbeit

Die Runden Tische sind weiterhin gut besucht und vergrößern sich kontinuierlich. Inhaltlich wurden Informationsveranstaltungen in Kooperation mit zwei Bezirksämtern (Duisburg-Homberg und Duisburg-Rheinhausen) geplant und durchgeführt. Es entstanden Broschüren über stadtteilbezogene Hilfs- und Unterstützungsangebote für demenziell Erkrankte und deren Angehörige. Darüber hinaus bilden gemeinschaftlich organisierte Schulungen für Freiwillige im Bereich niedrigschwelliger Angebote einen weiteren Schwerpunkt. In Abstimmung initiierten die Teilnehmer weitere Angebote, wie z.B. Informationsveranstaltungen, Demenzgottesdienste und Schulungen für Arzthelferinnen.

Die Runden Tische Demenz stehen für einen intensiven Informationsaustausch der beteiligten Organisationen. Beratungs- und Unterstützungsangebote für die Betroffenen werden hier koordiniert und transparent. Die Betroffenen erhalten durch die Veröffentlichung der Wegweiser wichtige Informationen über die Möglichkeiten der Hilfe in den Stadtteilen und können sich nach eigener Wahl für ein passendes Angebot direkt in ihrer Nachbarschaft und/oder für einen bestimmten Träger entscheiden.

Die meisten Organisationen setzen freiwillige Helfer für die Betreuung von Demenzerkrankten in ihren Einrichtungen ein oder möchten in Zukunft mit Freiwilligen arbeiten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter brauchen für diese verantwortungsvolle Aufgabe neben einer guten Begleitung durch die Ansprechpartner in den Einrichtungen eine fachbezogene intensive Schulung. Durch die Runden Tische Demenz besteht die Möglichkeit, für alle Freiwilligen des Stadtteils gemeinsam eine Schulung zu organisieren und somit Synergieeffekte auszunutzen. So ist Netzwerkarbeit innerhalb der Schulung ein stets mitschwingendes Lernziel.

3.8 Zusammenarbeit mit überörtlichen Partnern

An der Entwicklung der Vernetzungsstrukturen NRW ist das FORUM Demenz durch seinen Projektauftrag „Aufbau von Vernetzungsstrukturen niedrigschwelliger Angebote“ beteiligt. Mit der nordrhein-westfälischen Durchführungsverordnung zum PflegeleistungsErgänzungsgesetz entstand bei den durchführenden Trägern und Mitarbeitern niedrigschwelliger Angebote ein hoher Bedarf an fachlichem Austausch und Information, denn die Zugangsvoraussetzungen für Träger niedrigschwelliger Angebote sind nach wie vor hochschwellig. Daran ändert nichts, dass durch die Einführung des PflegeleistungsErgänzungsgesetzes die Versorgungsstrukturen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen verbessert wurden. Das PflegeleistungsErgänzungsgesetz und die Durchführungsverordnungen versetzen die Einrichtungen bislang nur zu einem geringen Teil in die Lage, ihre Betreuungsangebote auch abrechnen zu können.

Ein erstes Vernetzungstreffen fand am 1. April 2004 im Evgl. Christophoruswerk in Duisburg statt.

Nach der Gründung der Demenz-Service-Zentren entwickelten sich die Netzwerkstrukturen im Rahmen der Landesinitiative Demenz-Service NRW,

an der auch alle Projekte der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW beteiligt waren, weiter. Neben den Vernetzungstreffen entstanden Arbeitsgruppen, die sich u.a. mit der Entwicklung von Qualitätsstandards für die Schulung der Freiwilligen und dem Thema Finanzierung der Beratung (als Grundvoraus-setzung für die Inanspruchnahme niedrigschwelliger Angebote) auseinandersetzen.

Die Landesinitiative Demenz-Service NRW trägt somit in erheblichem Maße dazu bei, das Thema Demenz aus der Tabuzone herauszuholen und zukunftsfähige Konzepte zur Unterstützung der Menschen mit Demenz und ihrer pflegenden Angehörigen zu entwickeln.

3.9 Gewinnung von Freiwilligen

Den freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeitern kommt beim Aufbau eines verlässlichen Systems der Information, Begleitung und Betreuung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen eine enorme Bedeutung zu. Das bislang Dargestellte zeigt, in welchen Bereichen die ehrenamtliche Tätigkeit sich in der Praxis umsetzt. Wie sich Gewinnung und Schulung der Ehrenamtlichen realisierte, beschreibt die Darstellung der bisher geleisteten Arbeit (siehe Kooperationsprojekt Häuslicher Unterstützungsdienst).

Im Weiteren soll ein Einblick in ein spezielles Projekt transparent machen, wie durch die Vernetzung von Kompetenzen eine kreative Gewinnung von Freiwilligen gelingen kann.

Projekt Erfahrungswissen
Das Projekt Erfahrungswissen hatte die Aufgabe, freiwillige Mitarbeiter zu gewinnen, die über einen beruflichen Hintergrund aus der Pflege, der Medizin, der Pädagogik oder der Sozialarbeit verfügen. Sie sind durch intensive Schulungen und kontinuierliche Praxisbegleitung in der Lage, in enger Kooperation mit Einrichtungen der Altenhilfe niedrigschwellige Angebote aufzubauen und zu begleiten.

Vor dem Hintergrund gut ausgebildeter Personen, die sich im Ruhestand oder in der Familienphase befinden, bzw. arbeitslos sind, entstand die Idee, diese für eine qualifizierte freiwillige Tätigkeit zu motivieren. Das Projekt begann im Januar 2005 mit der Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung von Freiwilligen.

Die Freiwilligen mit Erfahrungswissen erhielten zunächst eine Basis-Schulung von elf Seminareinheiten á drei Unterrichtsstunden über einen Zeitraum von drei Monaten. Sie absolvierten währenddessen ein Praktikum von zwölf Stunden in unterschiedlichen Bereichen der Altenhilfe. Hier erhielten Sie die Möglichkeit, die Arbeit mit Demenzkranken in der Praxis zu erfahren. Im Anschluss wurden fünf Module als Tagesseminare durchgeführt.

Die Module im Einzelnen:

  • Moderne Freiwilligenarbeit,
  • Öffentlichkeitsarbeit,
  • Leitung von heterogenen Gruppen,
  • Vernetzung und Kooperation im Stadtteil,
  • Validation.

So wurden die Freiwilligen auf die verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet, ein niedrigschwelliges Angebot zu entwickeln und aufzubauen. Die hauptamtlichen Mitarbeiter der kooperierenden Einrichtungen, die gleichzeitig Ansprechpartner der Freiwilligen sind, nahmen ebenfalls an den fünf Modulen verbindlich teil. Damit war gewährleistet, dass ein einheitlicher Kenntnisstand bei den Freiwilligen und den Hauptamtlichen vorhanden ist. Außerdem wurden die praxisrelevanten Themen der Module, wie z.B. Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit für die einzelnen Projekte angewendet. Das ermöglichte den direkten Transfer in die Praxis.

Mit dem Beginn der Basis-Schulung im März 2005 wurden Einrichtungen der Altenhilfe in unmittelbarer Nachbarschaft der Freiwilligen kontaktiert, um eine Kooperation für den Aufbau eines niedrigschwelligen Angebotes zu vereinbaren. Das Prinzip des Einsatzes in Wohnortnähe der Freiwilligen ließ sich aber nicht immer verwirklichen. Die kontaktierten Einrichtungen waren zum Teil gerade erst damit beschäftigt, die Arbeit mit gerontopsychiatrisch veränderten Menschen als eine neue Herausforderung zu begreifen. Aktuelle Konzepte zur Versorgung und Betreuung wurden erst entwickelt und umgesetzt.

Nach der Basis-Schulung der Freiwilligen begann die Projektphase. In der Praxisbegleitung, moderiert vom FORUM Demenz, wurden die notwendigen Schritte zur Umsetzung des jeweiligen Projektes abgestimmt. Verbindlich beteiligt waren die Freiwilligen, der Ansprechpartner der Einrichtung, die Einrichtungsleitung und das FORUM Demenz. Mit einem Projekttagebuch wurde der Prozess dokumentiert und die jeweiligen Schritte protokolliert. Die Praxisbegleitung fand im Abstand von drei Monaten statt. Es wurden insgesamt drei Termine vereinbart, die je nach Bedarf erweitert werden konnten.

Die Freiwilligen besuchten unabhängig davon einmal monatlich ein Austauschtreffen, ebenfalls moderiert vom FORUM Demenz. Hier tauschten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Erfahrungen der unterschiedlichen Projekte miteinander aus. Die Gesprächsrunden gaben Anregungen und ermöglichten kollegiale Beratung.

Das Spektrum der initiierten Projekte reicht von zwei Angehörigen-Gesprächskreisen über einen Häuslichen Unterstützungsdienst bis zu zwei Betreuungsgruppen. Die Projekte finden in Duisburg und Essen statt. Die räumliche Verteilung der Freiwilligen hatte sich zufällig aufgrund der Meldungen über die überregionale Stellenausschreibung im Westen des Ruhrgebietes in einer Tageszeitung ergeben.

Resumee
Das Projekt Erfahrungswissen zeigt, dass Menschen mit beruflichen Qualifikationen bereit sind, anspruchsvolle ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen. Sie engagieren sich über einen überschaubaren Zeitraum von einem Jahr für ein Projekt, um sich dann wieder neu für eine Weiterführung entscheiden zu können.

Diese noch weitestgehend brachliegenden Ressourcen gilt es weiter zu entwickeln und für die gesellschaftlichen Herausforderungen einer alternden Gesellschaft in der unmittelbaren Zukunft sinnvoll einzusetzen.

 

4. Die positiven Folgen einer Vernunftbeziehung

Das Duisburger Modell hat sich bewährt. Durch die Zusammenarbeit der drei Organisationen spannte das FORUM Demenz mit zahlreichen Partnern ein tragfähiges Netz der Hilfe für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. Das Thema Demenz ist auf Grund dessen in Duisburg sehr präsent.

Die wichtigsten Schritte dabei waren:

  1. Die Bündelung der Öffentlichkeitsarbeit
    Damit erreichte das FORUM Demenz eine höhere Aufmerksamkeit für ein tabuisiertes Thema. Durch die entstandene Marke FORUM Demenz wurde der Zugang zum Unterstützungssystem erleichtert.
  2. Die Ausbildung eines Beratungs- und Betreuungssystems
    Durch die Einrichtung der zentralen Beratungsstelle und die gegenseitige Vermittlung von Betroffenen und deren Angehörigen ordnete sich das System der Hilfe. Die Verbindung von Zentralität und Dezentralität ermöglichte eine verbesserte Ausnutzung der Kräfte. Die Zielgruppen erfuhren eine ortsnahe Ansprache und Betreuung, ohne dass die Einrichtungen komplette Angebote an jedem Standort vorhalten müssen.
  3. Gewinnung von Freiwilligen
    Der vernetzte und sozialräumlich orientierte Arbeitsansatz des FORUM Demenz war förderlich bei der Gewinnung und Vermittlung der Freiwilligen im Häuslichen Unterstützungsdienst. Die Ressourcen der beteiligten Träger und Netzwerke in den Stadtteilen waren ein wichtiger Baustein zur Schaffung nachhaltiger Strukturen.
  4. Entlastung und Stärkung durch die Zusammenfassung der Ressourcen
    Neben der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit kam auch der Schulung unter diesem Aspekt enorme Bedeutung zu. Das FORUM Demenz initiierte und erweiterte die Schulung und Ausbildung sowohl hauptamtlicher als auch ehrenamtlicher Kräfte im System.
  5. Nachhaltigkeit durch Netzwerkarbeit
    Die Zusammenarbeit mit vorhandenen Strukturen und das Ausbilden neuer Kreise – etwa der stadtteilorientierten Runden Tische Demenz – sichern eine langfristige Wirkung des Projektes. Dabei hatte die Begleitung der ehrenamtlichen Strukturen einen großen Stellenwert. Im Zusammenspiel zwischen hauptamtlichen Kräften und freiwilligen Mitarbeitern gelang eine Partnerschaft, die auf Dauer ausgelegte Wege der Hilfe initiierte.

Diese Schritte zum Ziel entwickelten sich wesentlich durch die Arbeit im Netzwerk und an einem Netzwerk. Dieser methodische Ansatz des Duisburger Modells darf als beispielhaft wirksam bezeichnet werden.

 

5. Nachhaltigkeit

Weiterführung der Angebote des FORUM Demenz

In der folgende Übersicht wird dargestellt, welche Träger die einzelnen Projektteile nach Projektende übernehmen:

Die Fachberatungsstelle Demenz der AWO-Duisburg e.V. wird weitergeführt durch:

Name der Einrichtung: Zentrale Pflegeberatung und Vermittlung der AWO in Duisburg
Kontakt: Elisabeth Weber, Gabriele Terjung
Adresse: Karl-Jarres-Straße 100-104, 47053 Duisburg
Telefon:: 0203-3095-444
Fax: 0203-3095-440
E-Mail: weber@awocura.de [1]

Der Häusliche Unterstützungsdienst der PariSozial gGmbH und des Evgl. Christophoruswerk e.V. wird weitergeführt durch:

Bezirk Mitte/Süd

Name der Einrichtung: Alpha Pflegedienst
Kontakt: Heike Perszewski/ Heidi Herrmann
Adresse: Amtsgerichtsstraße 4, 47119 Duisburg
Telefon:: 0203-8789940
Fax: 0203-87899-41
E-Mail: h.perszewski@sozialwerk-st-georg.de [2]

Name der Einrichtung: Alzheimer-Gesellschaft Duisburg e.V.
Kontakt: Bettina Vootz/ Ursula Oppenberg
Adresse: Wintgensstraße 63-71,47058 Duisburg
Telefon:: 0203-3095-104
Fax: 0203-3095-398
E-Mail: info@alzheimer-duisburg.de [3]

Bezirk Rheinhausen

Name der Einrichtung: Deutsches Rotes Kreuz/Ambulante Dienste
Kontakt: Gabi Daube/ Claudia Ferriére
Adresse: Hans-Böckler-Straße 6, 47226 Duisburg
Telefon:: 02065-3048010
Fax: 02065-3048029
E-Mail: ferriere@drk-duisburg.de [4]

Bezirk Homberg

Name der Einrichtung: Evangelische Kirchengemeinde Homberg
Kontakt: Edeltraud Köhler / Brigitte Bobbert
Adresse: Evangelische Sozialstation Nord Am Bischofskamp 99, 47169 Duisburg
Telefon:: 0203-591407
Fax: 0203-502140
E-Mail: koehler.edeltraud@diakonie-duisburg.de [5]

Bezirk Walsum

Name der Einrichtung: Heimstatt St. Barbara / Beratungsstelle für Senioren
Kontakt: Ulrike Tippelt
Adresse: Josefstr. 5, 47178 Duisburg
Telefon:: 0203-99155-0
Fax: 0203-9915518
E-Mail: u.tippelt@heimstatt-stbarbara.de [6]

Bezirk Hamborn, Meiderich, Marxloh, Neumühl

Name der Einrichtung: Evangelische Sozialstation Nord
Kontakt: Edeltraud Köhler
Adresse: Am Bischofskamp 99, 47169 Duisburg
Telefon:: 0203-591407
Fax: 0203-502140
E-Mail: koehler.edeltraud@diakonie-duisburg.de [7]

Name der Einrichtung: Evangelisches Christophoruswerk e.V.
Kontakt: Edeltraud Köhler, Sabine Agethen
Adresse: Bonhoeffer Straße, 47138 Duisburg
Telefon:: 0203-591407 oder 0203-410-1403
Fax: 0203-502140 oder 0203-410-1412
E-Mail: Koehler.edeltraud@diakonie-duisburg.de [8]

Die Initiatorenschulung und das Projekt Erfahrungswissen wird weitergeführt durch:

Name der Einrichtung: e du.care
Kontakt: Christa Surmund, Hilde Hartmann-Preis
Adresse: Bonhoefferstr. 6, 47138 Duisburg
Telefon:: 0203-410-1004
Fax: 0203-410-1037
E-Mail: forum.demenz@cwdu.de [9]

Der Runde Tisch Demenz (Rheinhausen, Homberg, Walsum, Meiderich/ Hamborn und Duisburg Süd). Informationen durch:

Name der Einrichtung: Alzheimer-Gesellschaft Duisburg e.V.
Kontakt: Dagmar Körner
Adresse: Wintgensstraße 63-71,47058 Duisburg
Telefon:: 0203-3095-104
Fax: 0203-3095-398
E-Mail: info@alzheimer-duisburg.de [10]

Weitere Ansprechpartner für Beratung und Information zum Thema Demenz in den Stadtteilen

Name der Einrichtung: AWO-Duisburg e.V. / Begegnungs- und Beratungszentrum Walsum-Vierlinden
Kontakt: Jutta Muntoni
Adresse: Rudolfstraße 19, 47178 Duisburg
Telefon:: 0203-55589-102
Fax: 0203-55589-200
E-Mail: muntoni@awocura.de [11]

Name der Einrichtung: AWO-Duisburg e.V. / Begegnungs- und Beratungszentrum Beeck
Kontakt: Elke Sternberger
Adresse: Goeckingkstraße 45, 47139 Duisburg
Telefon:: 0203-463342
E-Mail: sternberger@awo-duisburg.de [12]

Name der Einrichtung: AWO-Bezirksverband Niederrhein e.V. / Begegnungs- und Beratungszentrum Hochfeld
Kontakt: Alice Krahe
Adresse: Karl-Jarres-Straße 100-104, 47053 Duisburg
Telefon:: 0203-6006-213
E-Mail: alice.krahe@awo-niederrhein.de [13]

Name der Einrichtung: AWO-Duisburg e.V. / Begegnungs- und Beratungszentrum Rheinhausen
Kontakt: Helma Pönisch
Adresse: Friedrich-Ebert-Straße 147, 47226 Duisburg
Telefon:: 02065-302298
E-Mail: poenisch@awo-duisburg.de [14]

Name der Einrichtung: AWO-Duisburg e.V. / Begegnungs- und Beratungszentrum Buchholz
Kontakt: Lora Kulla
Adresse: Traunsteiner Straße 15, 47249 Duisburg
Telefon:: 0203-703839
E-Mail: kulla@awo-duisburg.de [15]

Name der Einrichtung: Paritätische Sozialdienste gGmbH / Begegnungs- und Beratungszentrum Krins-Weber Seniorenzentrum
Kontakt:
Monika Isensee, Angelika Berg
Adresse: Mevissenstraße 16, 47059 Duisburg
Telefon:: 0203-3181450
Fax: 0203-3181411
E-Mail: Monika.Isensee@paritaet-nrw.org [16]

Name der Einrichtung: Altentagesstätte Hamborn gGmbH / Begegnungs- und Beratungszentrum Marxloh
Kontakt: Georg Zeppenfeld
Adresse: Hermannstr. 46, 47169 Duisburg
Telefon:: 0203-404936
E-Mail: altentagesstaette@tiscali.de [17]

Name der Einrichtung: Evgl. Christophoruswerk e.V., Beratungsstelle, Buchholzer Fenster
Kontakt: Christine Jansky
Adresse: Altenbrucher Damm 8, 47249 Duisburg
Telefon:: 0203-7979-114
Fax: 0203-7979-200
E-Mail: Buchholzer.Fenster@cwdu.de [18]

Name der Einrichtung: Evgl. Christophoruswerk e.V., Beratungsstelle, Ruhrorter Fenster
Kontakt: Yasmine Geppert
Adresse: Fürst- Bismarck- Str. 44, 47119 Duisburg
Telefon:: 0203-8098-202
Fax: 0203-8098-230
E-Mail: Ruhrorter.Fenster@cwdu.de [19]

Name der Einrichtung: Evgl. Christophoruswerk e.V., Zentrale Beratungsstelle
Kontakt: Frank Weinbach
Adresse: Bonhoefferstr. 6, 47138 Duisburg
Telefon:: 0203-410-1009
Fax: 0203-410-1010
E-Mail: Frank.Weinbach@cwdu.de [20]


Quelle: http://www.forum-demenz.net/gesamtbericht

Links:
[1] mailto:weber@awocura.de
[2] mailto:h.perszewski@sozialwerk-st-georg.de
[3] mailto:info@alzheimer-duisburg.de
[4] mailto:ferriere@drk-duisburg.de
[5] mailto:koehler.edeltraud@diakonie-duisburg.de
[6] mailto:u.tippelt@heimstatt-stbarbara.de
[7] mailto:koehler.edeltraud@diakonie-duisburg.de
[8] mailto:koehler.edeltraud@diakonie-duisburg.de
[9] mailto:forum.demenz@cwdu.de
[10] mailto:info@alzheimer-duisburg.de
[11] mailto:muntoni@awocura.de
[12] mailto:sternberger@awo-duisburg.de
[13] mailto:alice.krahe@awo-niederrhein.de
[14] mailto:poenisch@awo-duisburg.de
[15] mailto:kulla@awo-duisburg.de
[16] mailto:Monika.Isensee@paritaet-nrw.org
[17] mailto:altentagesstaette@tiscali.de
[18] mailto:Buchholzer.Fenster@cwdu.de
[19] mailto:Ruhrorter.Fenster@cwdu.de
[20] mailto:Frank.Weinbach@cwdu.de